Exkursion ins Hospiz – ein Rückblick

Im Oktober besuchte unsere Klasse SAR 15-2 zur Vorbereitung auf das Pflegepraktikum den Christlichen Hospizdienst Dresden e.V. (CHD) am Krankenhaus „St. Josephstift“.

 

Fachkundig geleitet konnten wir uns die Räume des CHD anschauen und bekamen erklärt, welche Angebote in diesen Räumen durchgeführt werden können. Uns erstaunte, dass die Räume hell und freundlich gestaltet waren. Ich denke, wir hatten alle die Vorstellung von einem etwas kühlen und düsteren Ort.  In diesem angenehmen Umfeld hatten auch Freude und schönes Erinnern ihren Platz und wir konnten uns sehr gut vorstellen, dass hier Patienten, deren Familien und Angehörige und auch Trauernde begleitet werden.

 

Ich persönlich hatte bei dieser Exkursion ein sehr gemischtes Gefühl, da ich selbst schon oft mit Verlusten zu tun hatte. Im Familien- und Freundeskreis erlebte ich schon einige Male in meinem Leben den Verlust in Form von Tod oder auch Trennung.

 

Nach dem Rundgang durch die Räume setzten wir uns alle in einem großen Kreis auf die bequemen Sessel oder Sitzkissen, um zu darüber zu sprechen, mit welchem Gefühl und welchen Erwartungen wir hier waren. Als nächstes erstellte jeder für sich einen Zeitstrahl mit persönlichen Höhepunkten und Verlusterfahrungen im Leben. Für einige von uns waren es viele traurige Ereignisse in so wenigen Jahren.  Nach einer kurzen Zeit des Innehaltens sprachen wir über unsere Verluste. Dabei hatten wir die Möglichkeit, selbst über unseren Verlust zu sprechen oder ihn von unserer Lehrerin vorlesen zu lassen. Wir stellten auch Rückfragen untereinander, um die Gedanken und Gefühle des Anderen besser verstehen zu können. Unsere Klasse war so leise, wie noch nie zuvor. Es flossen viele Tränen, weil alle so berührt waren und mitfühlten.

 

Zum Abschluss sollten wir unsere Gedanken noch einmal zusammenfassen. Viele von uns wollten nichts mehr sagen, andere sprachen aus, was sie gerade beschäftigte: „Ich hätte niemals gedacht, dass so viele aus meiner Klasse in ihrem kurzen Leben so viel Ballast mit sich schleppen müssen“.

 

Auch hat es mich verwundert, dass viele von uns eine individuelle Art für sich gefunden haben, mit Verlust umzugehen. Einige Mitschüler haben es geschafft, eine so perfekte „Maske“ zu tragen, dass keiner mit so einer Lebensgeschichte gerechnet hätte.

 

Die Arbeit des Hospizdienstes ist so wichtig für die Menschen mit einer lebensverkürzenden Erkrankung, für ihre Familien und Freunde und für trauernde Menschen. Ohne die erfahrenen hauptamtlichen Mitarbeiter und die geschulten ehrenamtlichen Mitarbeiter des CHD wäre die Arbeit nicht möglich. Das ist uns deutlich geworden. Es bräuchte noch viele von ihnen, damit ein Leben bis zuletzt in Würde und ein bewusstes Abschiednehmen im vertrauten, häuslichen Umfeld für viele möglich ist.

 

Im Unterricht beschäftigten wir uns am nächsten Tag u.a. mit der Trauer und mit Hilfsmöglichkeiten, die wir nutzen können, wenn wir selbst mit einem Verlust konfrontiert werden.

 

Ich persönlich fand die Exkursion sehr wichtig für uns: Zum einen, weil wir kurz vor dem Praktikum in der Pflege stehen und auch Berührungsängste mit den Themen Sterben, Tod und Trauer hatten. Zum anderen, weil wir nun auch mit diesen Themen und einem bewussten Abschiednehmen ganz anders umgehen und somit auch Freunden oder der Familie in Trauersituationen besser helfen können.

 

Martin W.

 

 

Kontakt

Dipl.-Kffr. Dagmar Mager

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